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Die Stücke des Programms wurden komponiert von
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Zu Beginn beider Konzerthälften erklingt je eine Suite für Streichorchester, also der Form, die sich aus der Tanzfolge des französischen Hofes heraus entwickelt hat und bereits seit dem 17. Jahrhundert existiert.
Es folgt je eine "Klangbrücke" in Form einer musikalischen Miniatur des Finnen Jean Sibelius - einer spezifisch romantischen Art der Momentaufnahme.
Wenn am Ende des ersten Teils ein dreisätziges Solokonzert steht, also eine im Ursprung klassische Instrumentalform, so endet der zweite Teil des Konzertes mit einer einsätzigen Form , wie sie das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Hier findet keine Entwicklung im klassischen Sinne statt, der Weg des Stückes kann treffender als Metamorphose bezeichnet werden.
Zwei Mal überwindet dieses Konzertprogramm die Grenze zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert. Um 1880 entstanden die Suiten von Janáček und Grieg. Die Jahrhundertwende wird durch die Werke von Sibelius markiert; und die Werke von Larsson und Sallinen sind weit im 20. Jahrhundert entstanden.
Die verschiedenen Stile der Werke, bedingt durch die jeweilige Entstehungszeit, verlangen vom Zuhörer je ein besonderes Hören der Stücke.
Die vier Kompositionen des 19. Jahrhunderts entsprechen in ihrer Tonsprache noch ganz der klassisch-romantischen
Tradition und damit der Hör-Erwartung, sodass ein rein passiv genießendes Zuhören vollauf genügen mag.
In den beiden Stücken des 20. Jahrhunderts fordern Versuche, die Sprache der Musik zu erweitern, eine große Offenheit des Zuhörers.
Die Tonsprache Larssons orientiert sich in der Form des Konzerts, aber auch in ihren harmonischen und melodischen
Elementen noch stark an der Tradiotion des 19. Jahrhunderts. Doch neue Spieltechniken des Saxophons - überblasene Töne, Flageoletts verschiedener Art, geräuschhafte Verwendung der Klappen u.a. - und harmonisch an die Grenze der Tonalität geführte Abschnitte mutem dem Zuhörer neue Klänge zu.
Einen großen Schritt weiter in dieser Richtung unternimmt Sallinen in seinem "Funeral March". Das Stück enstand
aus Anlass einer Einführungsveranstaltung in die Sprache zeitgenössischer Musik, bei der Sallinen jungen Menschen das Wesen der "Neuen Musik" erklären sollte. Sallinen unterwirft dafür einen in Finnland allgemein bekannte einfache und volkstümliche Melodie einer kontinuierlichen Variation mit zeitgenössischen musikalischen Mitteln, vor allem durch Erweiterung der traditionellen Spieltechniken.
Die volkstümliche Melodie erklingt zunächst einstimmig in Solovioline und Solocello. Fortan wird dieses Thema nie ganz verschwinden, jedoch im Verlauf des Stückes in vielen Erscheinungsformen bis an die Grenze der Unkenntlichkeit variiert werden. An manchen Stellen erscheint es nur noch als vage Erinnerung, wie aus weiter Ferne; an anderer Stelle wirkt es durch die hinzugefügten Orchesterklänge gänzlich entstellt. Immer wieder - un
dies erleichtert das Verfolgen des Stückes - taucht das Thema aus dem Getöse der Welt aufum anschließend wieder von chaotischen Elementen aufgesogen zu werden.
Das Stück mündet in eine Schlussapotheose, in einen dissonanten Cluster - Klang, den der Komponist in seiner Wirkung als "irgendetwas zwischen Entsetzen und Kälteschock" beschreibt.
Sallinen versucht, ein Stück traditioneller Volksmusik für die Ohren unserer Tage zu adaptieren. Er spricht
musikalisch aus, was auch über dem Programm des heutigen Abends steht:
Neue Musik bedeutet, die Schätze vergangener Zeiten zu verstehen und zu pflegen, aber sich darüber hinaus auf di Suche nach einer eigenen Sprache zu machen, in der Kommunikation heute möglich ist.
Gereon Müller
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