Text von Thomas Traherne
I Einleitung (Instrumental) II Rhapsody (Begleitetes Rezitativ) Wollt ihr die Kindheit sehen dieser erhabenen und himmlischen Größe? Ein Fremdling war ich bei meinem Eintritt in die Welt, begrüßt und umgeben von zahllosen Freuden. Göttlich war mein Wissen. Wie ein Engel ward ich umhegt mit Gottes Werken in ihrem Glanz und ihrer Herrlichkeit.
Himmel und Erde sangen meines Schöpfers Preis. Nicht schöner mochten sie für Adam gesungen haben als für mich. Gewiss hatte Adam im Paradiese keine süßeren und seltsameren Bilder von der Welt als ich. Alles erschien neu und fremd zuerst, unsagbar köstlich und wonniglich schön. Jeglich Ding war makellos und rein und herrlich. Prächtig stand das Korn und unsterblich der Weizen, nie geschnitten und nie gesät, von Ewigkeiten her, so meint’ ich, da
gewesen. Die grünenden Bäume, da ich zum ersten Mal sie sah, entzückten mich. Ihre Süße und ungewöhnliche Schönheit ließen mein Herz höher schlagen. So ward ich außer mir. Seltsam waren sie und wunderbar. Und wie so ehrwürdig erschienen doch die Alten! Unsterbliche Cherubim. Und die Jungen: Strahlende und funkelnde Engel, und die Mädchen: seltsam engelgleiche Gebilde voll Leben und Schönheit. Ich wusste nicht, dass sie geboren waren
und einst sterben sollten: Alles war für ewig da. Auch wusst’ ich nicht, dass es die Sünde gebe und das Übel und Gesetze. Ich kannte Armut nicht noch Hader oder Laster. Tränen und Zank waren meinen Augen fremd. Alles sah ich in paradiesischem Frieden. Alles war ruhig,frei und unsterblich. III Das Entzücken (Tanz) Süße Kindheit! Himmlisches Feuer! Heiliges Licht! So schön und klar! Wie
groß bin ich. Den die ganze Welt verherrlicht! Oh, himmlische Freude! Großer und heiliger Segen, Der mein ist! Solch eine Freude! Wer hat dies alles In meine Arme gelegt? Von Gott da droben gesandt, Beseligt mich das Geschenk, Seinen Namen zu preisen. Es wandeln die Sterne, Es scheint die Sonne, Um seine Liebe zu bezeugen. Oh, wie göttlich bin ich! Zu all dieser heiligen Fülle, Diesem Leben, dieser Gesundheit, Wer berief
mich denn? Wer machte mein Dies alles? Welch göttliche Hand! IV Wunder ( Arioso ) Wie kam ich doch herab hier wie ein Engel! Wie strahlend hell ist alles hier! Als ich zuerst inmitten seiner Werke hier erschien, wie krönte mich ihre Herrlichkeit! Die Welt war Abbild seiner Ewigkeit, in welcher meine Seele wandelte. Und alles, was ich sah, es sprach zu mir: Die Himmel in ihrer Pracht, die lieblich bewegte Luft, oh, wie
göttlich, wie sanft, wie süß, wie schön! Die Sterne ergötzten meinen Sinn und alle Werke Gottes schienen so strahlend und rein, so reich und groß, als müssten immerdar sie bleiben in meiner Achtung. Heil und Unschuld wuchsen auf in meiner Brust. Indessen Gott all diese Herrlichkeit geoffenbart, fühlt' ich in meinem Sinne eine Kraft erwachsen, die war ganz Geist: Ich flutete darin mit Meeren von Leben, wie Wein. Nichts wusst' ich sonst
in dieser Welt, als dass sie göttlich war. V Gruß (Arie) Diese Gliederchen, diese Äuglein und Händchen, die ich hier finde, dieses klopfende Herz, womit mein Leben beginnt: Wo seid ihr vordem gewesen? Hinter welchem Vorhang bliebt ihr mir so lange verborgen? Wo war - in welchem Abgrund war die Zunge, die mir neu geworden, da schweigend ich so viele tausend Jahr' vom Staub bedeckt in einem Chaos lag? Wie konnt’ ich da ein Lächeln wahrnehmen, oder Tränen oder Lippen oder Hände oder Augen oder Ohren? Willkommen ihr Schätze, die mir jetzt zuteil.
Vom Staub ersteh' ich und aus dem Nichts erwach' ich nun. Diese heller strahlenden Gefilde, die meine Augen grüßen, als ein Geschenk aus Gottes Hand nehm' ich sie hin. Erde, Meere, Licht, die hohen Himmel, Sonne und Sterne: alle sind mein, wenn ich ihren Wert ermesse. Ein Fremder trifft auf Fremdes hier, sieht fremde Herrlichkeit und Schätze sich bieten in der schönen Welt, fremd ist alles dies und neu für mich: aber dass
sie mein sein sollten, der doch nichts war, ist von allem das Merkwürdigste, und doch ist es geschehen. Übersetzung: Ernst von Podlesnigg |