Wolfgang Amadeus Mozart komponierte die drei kleinen Werke Köchelverzeichnis 136, 137 und 138 - die drei
sogenannten „Salzburger Divertimenti“ - vermutlich für seinen letzten Italienaufenthalt. Sie sollten wohl gedacht sein für späteren Bedarf bei Aufführungen in den Salons seiner Mailänder Förderer. Giacomo Puccini komponierte fast ausschließlich Opern, die noch heute zum Kernrepertoire der Opernhäuser weltweit gehören. Zu den wenigen Werken, die nicht für die Bühne bestimmt sind, gehören die „Crisantemi“ für Streichquartett oder Streichorchester. Auch in dieser instrumentalen Kostbarkeit wird Puccinis Vorliebe für Gesang hörbar: im Mittelteil zitiert er eine Melodie aus seiner Oper „Manon Lescaut“. Mit dem Konzert für Horn und Streichorchester von Gordon Jacob erklingt das Werk eines der populärsten und vielseitigsten britischen Komponisten und Arrangeurs des 20. Jahrhunderts. Über vierzig Jahre lang arbeitete er als Dozent am Royal College of Music in London. Er verfasste ein viel beachtetes Buch über die Kunst des Komponierens und Instrumentierens. Darüber hinaus bearbeitete er Werke von Kollegen oder schrieb für sie Opernlibretti; auch war er als Dirigent von Sinfonie- und Blasorchestern tätig. Seine Musik wendet sich in ihrer unkomplizierten Sprache direkt ans Publikum; sie zeichnet sich durch Könnerschaft, virtuose Instrumentationskunst und lebhaften Esprit aus. Dennoch hat sich erstaunlicherweise sein über 700 Werke umfassendes Schaffen in Deutschland nicht etablieren können. Gordon Jacob bedachte auch Instrumente mit wirkungsvollen Solokonzerten, die als Soloinstrument seltener zu hören sind: etwa Tuba, Blockflöte, Saxofon und Viola. Auch das dreisätzige Hornkonzert aus dem Jahre 1955 präsentiert das Soloinstrument äußerst effektvoll und virtuos in all seinen Ausdrucksmöglichkeiten. Das gleich berechtigt musizierende Streichorchester tritt mit dem Horn in einen lebhaften Dialog, schafft atmosphärische Klangteppiche und hat in den Zwischenspielen durchaus Eigenes zu sagen. Die „Kunst der Fuge“ BWV 1080 von Johann Sebastian Bach besteht aus 14 Fugen und vier Kanons und gilt in ihrer umfassenden Strukktur als Bachs kompositorisches Vermächtnis. Ein esoterischer Hauch umweht das Werk mit seiner unvollendeten letzten Quadrupelfuge, die mit dem Erscheinen der Tonfolge B-A-C-H abbricht und an dessen Schluss häufig der Choral „Vor deinen Thron trete ich hiermit“ gespielt wird. An welche Besetzung Bach gedacht hatte, lässt sich der Partitur nicht entnehmen. Nach Stand heutiger Forschung gilt es als wahrscheinlich, dass es sich wohl um ein Tasteninstrument wie Cembalo oder Orgel gehandelt hat. Auch zur musikalischen Charakteristik schweigt sich die Partitur aus und bietet nur den nackten Notentext. Für den Interpreten heißt das, dass er - auf Grundlage einer genauen Kenntnis von Werk und historischen Zusammenhängen - viele Entscheidungen treffen muss, um das Werk musikalisch zu realisieren. Die vier ausgewählten Fugen folgen dem Konzept, eine möglichst kontrastreiche Abfolge zu gewährleisten. Es entsteht so eine Art Suite mit der üblichen Satzfolge: Langsam – Schnell – Langsam - Schnell. Diese Temporelationen bieten einen äußeren Rahmen für die Darstellung der Unterschiedlichkeit der einzelnen Fugen. Da Bachs Werk in seiner emotionalen Tiefe und Weite jede modische Geschichtsbezogenheit hinter sich lässt, kommen auch unterschiedliche stilistische Mittel, die über die historischen hinausreichen, zum Einsatz. In der Volksmusik sah die Romantik ein Ziel ihrer sehnsuchtsvollen Bemühungen um nationale Identifikation. Die Volksmusik wird darüber hinaus im 20. Jahrhundert Ziel von wissenschaftlicher Analyse; sie wird erforscht auf ihre Verwendbarkeit für neue musikalische Ideen und Kompositionstechniken, unter anderem etwa bei Bartok. Der Stil des finnischen Komponisten Pehr Henrik Nordgren geht von der Zwölftontechnik und der Clustertechnik Ligetis aus; er bezieht jedoch viele weitere Elemente ein und kann insgesamt als pluralistisch bezeichnet werden. Eine besondere Rolle spielt darin die finnische Volksmusik mit ihren Instrumenten, vor allem mit der Kantele. In Pehr Nordgrens kleinem Heimatstädtchen Kaustinen befindet sich das Zentrum der Volksmusik von ganz Finnland. Zu den im Sommer stattfindenden Volksmusiktagen reisen Interessenten aus der ganzen Welt an. In der Streicher-Suite Pelimannimuotokuvia op. 26 nun beschäftigt sich Pehr Nordgren intensiv mit der ostbottnischen Folklore. Der englische Titel „Country Fiddlers“ lässt den Charakter dieses Werkes deutlich werden: es wird nicht gegeigt, sondern gefiedelt! Ganz ungezwungen verbinden sich neue Techniken und traditionelle Volksmusik, um in vier Bildern die Stimmung der Volksmusiktage mit ihrer ungebremsten Musizierlust einzufangen.
|